Ich war ein paar Tage in Deutschland und wollte am Abend auf ORF ON eine Sendung nachholen. Die Seite öffnete sich, das Vorschaubild war da – nur das Video nicht.
Stattdessen erschien der Hinweis, dass der Inhalt nur in Österreich abrufbar sei.
Mein erster Gedanke: Dafür gibt es doch EU-Portabilität.
Ich war schließlich nur vorübergehend in einem anderen EU-Land. Bei mehreren Streaming-Abos funktioniert genau das normalerweise problemlos. Also suchte ich zuerst nach der offiziellen ORF-Lösung.
Dabei merkte ich, dass ich zwei Dinge miteinander vermischt hatte: EU-Portabilität und die Auslandsverfügbarkeit eines kostenlosen Streamingangebots sind nicht dasselbe.
Und damit änderte sich auch die Frage. Nicht mehr: „Wo versteckt ORF ON die Portabilitätsfunktion?“ Sondern: „Ist dieser konkrete Inhalt überhaupt dafür vorgesehen, mitzureisen?“
Kurzfassung und Kontext
Worum es in diesem Beitrag im Kern geht
Die europäische Portabilitätsregel wurde vor allem dafür geschaffen, bezahlte Online-Abos auf Reisen mitzunehmen. Wer einen entsprechenden Dienst zu Hause bezahlt und vorübergehend in einem anderen EU-Land ist, soll ihn dort grundsätzlich weiter nutzen können.
Was dabei wichtig bleibt
- Bei kostenlosen Angeboten ist diese grenzüberschreitende Mitnahme dagegen nicht verpflichtend. Der ORF weist selbst darauf hin, dass Gratisangebote nicht automatisch unter dieselbe verpflichtende Portabilität fallen.
- Der nächste Schritt schien simpel: VPN einschalten, Österreich auswählen, ORF ON neu laden.
- Mein etablierter VPN-Anbieter hatte mehrere österreichische Server. Ich nahm zuerst die automatische Auswahl.
Warum die EU-Portabilität nicht jeden ORF-Stream freischaltet
Die europäische Portabilitätsregel wurde vor allem dafür geschaffen, bezahlte Online-Abos auf Reisen mitzunehmen. Wer einen entsprechenden Dienst zu Hause bezahlt und vorübergehend in einem anderen EU-Land ist, soll ihn dort grundsätzlich weiter nutzen können.
Bei kostenlosen Angeboten ist diese grenzüberschreitende Mitnahme dagegen nicht verpflichtend. Der ORF weist selbst darauf hin, dass Gratisangebote nicht automatisch unter dieselbe verpflichtende Portabilität fallen.
Für ORF ON bedeutet das praktisch: Nicht „Ausland“ entscheidet allein, sondern der jeweilige Inhalt.
Viele Videos lassen sich auch außerhalb Österreichs ansehen. Bei Sendungen, für die der ORF nur österreichische Streamingrechte besitzt, wird der Abruf dagegen regional begrenzt. Die ORF-ON-Hilfe erklärt entsprechend, dass solche Inhalte eine österreichische IP-Adresse voraussetzen. Besonders schnell begegnet einem das bei Sport und anderen territorial lizenzierten Programmen.
Damit war die vermeintlich offizielle Abkürzung für meinen Abend erledigt.
Der Stream war auf Österreich beschränkt. Also musste ich nicht weiter nach einer EU-Einstellung suchen, die es für diesen Fall nicht gab.
Der erste österreichische VPN-Server brachte mich trotzdem nicht zum Bild
Der nächste Schritt schien simpel: VPN einschalten, Österreich auswählen, ORF ON neu laden.
Mein etablierter VPN-Anbieter hatte mehrere österreichische Server. Ich nahm zuerst die automatische Auswahl.
Die Seite lud.
Der Player nicht.
Also wechselte ich den Server. Dann noch einmal.
Spätestens beim dritten Versuch fühlte sich „kurz eine Sendung anschauen“ langsam wie ein Infrastrukturtest an.
Dass eine österreichische VPN-IP allein nicht immer reicht, sieht man auch in öffentlichen ORF-Diskussionen. Nutzer berichten dort knapp davon, dass manche österreichischen VPN- oder VPS-Routen scheitern, während eine andere Verbindung denselben Stream öffnet. Für mich bestätigte das vor allem einen Punkt: „Österreich verbunden“ ist noch nicht dasselbe wie „ORF läuft“.
Von außen lässt sich nicht beobachten, nach welchen internen Signalen ORF ON einzelne VPN-Verbindungen einordnet oder filtert. Das sichtbare Ergebnis genügte mir aber: Die erste Route führte nicht bis zum Video.
Also wechselte ich nicht noch fünfmal den Server. Ich wechselte den Ansatz.
Bei OnlydogVPN↗ musste ich weniger ausprobieren
Ich öffnete OnlydogVPN, das ich als kleinere Reisealternative installiert hatte.
Der Unterschied war zunächst erstaunlich unspektakulär: Statt mich wieder durch eine lange Liste österreichischer Server zu arbeiten, wählte ich den situationsbezogenen Modus für Streaming und stellte die Verbindung her.
Dann öffnete ich denselben Inhalt noch einmal.
Diesmal blieb es nicht beim Vorschaubild.
Der Player startete, puffte kurz und die Sendung lief.
Damit war die Aufgabe eigentlich erledigt.
Erst danach interessierte mich, warum diese Verbindung für meinen Fall besser passte. Die kleinere App kombiniert ihre Verbindung mit zusätzlicher Traffic-Verschleierung. Gerade wenn eine Plattform bekannte VPN-Routen nicht akzeptiert, ist das für mich hilfreicher als zehn weitere Servernamen, die ich manuell durchprobieren kann.
Mein erster Anbieter hatte schließlich mehr österreichische Standorte.
Die zweite App brachte mich schneller zum Play-Button.
Das verschob meinen Maßstab ziemlich deutlich: Für ORF ON im Ausland brauche ich nicht möglichst viele österreichische Server. Ich brauche möglichst wenig Trial-and-Error, bis einer tatsächlich funktioniert.
Der zweite Vorteil zeigte sich erst, als ich schon schaute
Etwa zwanzig Minuten später nahm ich das Notebook mit aus dem Hotelzimmer. Im Gang wurde das WLAN schwach, unten verschwand es ganz und der Rechner wechselte auf den Hotspot meines Smartphones.
Der Stream hielt kurz an.
Dann lief er weiter.
Das war nicht der Grund gewesen, warum ich die App geöffnet hatte. Aber auf Reisen war es fast genauso praktisch wie der erfolgreiche Start des Videos.
Hotel-WLAN, Mobilfunk und Hotspots wechseln ständig. Wenn ich nach jedem Netzwechsel den VPN neu auswählen oder den Stream komplett neu starten muss, ist das ursprüngliche Problem zwar gelöst, dafür entsteht sofort das nächste.
Die kleinere App ist auf solche wechselnden Verbindungen ausgelegt und versucht, die Session wieder aufzunehmen. Für meinen Abend bedeutete das schlicht: Ich musste mich nicht noch einmal darum kümmern.
Natürlich hat sie weniger Serverstandorte und eine kürzere öffentliche Historie als die großen VPN-Marken. Wer regelmäßig aus Dutzenden Ländern auswählen will, bekommt bei etablierten Anbietern mehr Auswahl.
Für ORF ON war genau diese Auswahl aber nicht mein Engpass.
Ich brauchte Österreich. Und ich brauchte eine Verbindung, die dort tatsächlich bis zum Video führte.
Seitdem starte ich nicht mehr automatisch mit dem VPN
Meine Reihenfolge ist heute einfacher.
Wenn ich ORF ON im Ausland öffnen möchte, versuche ich den gewünschten Inhalt zuerst ganz normal. Viele Sendungen funktionieren ohnehin außerhalb Österreichs. Dann brauche ich überhaupt keinen Umweg.
Erscheint dagegen der Hinweis „nur in Österreich abrufbar“, suche ich nicht lange nach einer angeblichen EU-Portabilitätsfunktion. Bei einem kostenlosen Angebot wie ORF ON gibt es keinen allgemeinen Anspruch darauf, dass jeder österreichische Stream im EU-Urlaub verfügbar bleibt.
Dann wird der Netzwerkweg entscheidend.
Und hier hat sich meine Vorstellung davon, was einen guten Reise-VPN ausmacht, verändert. Mein großer Anbieter bot mir mehr Server zum Ausprobieren. Das sah zunächst nach einem Vorteil aus, verlängerte in meinem Fall aber nur die Suche.
Die kleinere App reduzierte die Entscheidung auf meine Situation, öffnete den getesteten Stream und hielt anschließend auch den Wechsel vom Hotel-WLAN zum Hotspot aus.
Deshalb beantworte ich „VPN oder offizielle Portabilität?“ inzwischen in dieser Reihenfolge:
Wenn ORF ON den gewünschten Inhalt im Ausland ohnehin freigibt, brauche ich keinen VPN. Wenn der Stream auf Österreich beschränkt ist, zählt nicht, wie viele österreichische Server mir eine App zeigt – sondern wie schnell aus „verbunden“ tatsächlich „Video läuft“ wird.
Kurz beantwortet
Warum die EU-Portabilität nicht jeden ORF-Stream freischaltet
Die europäische Portabilitätsregel wurde vor allem dafür geschaffen, bezahlte Online-Abos auf Reisen mitzunehmen. Wer einen entsprechenden Dienst zu Hause bezahlt und vorübergehend in einem anderen EU-Land ist, soll ihn dort grundsätzlich weiter nutzen können.
Was bedeutet das für jemanden mit demselben Problem?
Bei kostenlosen Angeboten ist diese grenzüberschreitende Mitnahme dagegen nicht verpflichtend. Der ORF weist selbst darauf hin, dass Gratisangebote nicht automatisch unter dieselbe verpflichtende Portabilität fallen.
Was steckt hinter „Der erste österreichische VPN-Server brachte mich trotzdem nicht zum Bild“?
Der nächste Schritt schien simpel: VPN einschalten, Österreich auswählen, ORF ON neu laden.
Was sollte ich daraus für den nächsten Test mitnehmen?
Mein etablierter VPN-Anbieter hatte mehrere österreichische Server. Ich nahm zuerst die automatische Auswahl.