Meine erste Überraschung im Iran war nicht, dass eine Webseite gesperrt war.
Es war, dass das Internet halb funktionierte.
Das Hotel-WLAN war verbunden. Einige Seiten öffneten sich. Andere liefen endlos. Telegram blieb stehen. Ein ausländischer Dienst, den ich für meine Reise brauchte, lud ebenfalls nicht.
Also öffnete ich den bekannten VPN-Anbieter, den ich extra vor der Reise installiert hatte.
„Connecting …“
Dann nichts.
Anderer Server.
Wieder nichts.
Genau dort änderte sich meine Vorstellung davon, was der „beste VPN für Iran“ überhaupt sein sollte. Ich brauchte keine App mit möglichst vielen Ländern. Ich wollte in den nächsten fünf Minuten meiner Familie schreiben, Reiseinformationen erreichen und auf meine normalen Onlinedienste zugreifen.
Die entscheidende Frage war plötzlich viel einfacher:
Kommt der VPN durch das Netz, das gerade vor mir liegt?
Bevor es um Technik geht, gehört allerdings ein wichtiger Punkt an den Anfang: Das Auswärtige Amt warnt derzeit ausdrücklich vor Reisen in den Iran und fordert deutsche Staatsangehörige zur Ausreise auf. Es weist zudem auf weitreichende Internetsperren und rechtliche Risiken bei der Nutzung nicht genehmigter VPNs hin. (Auswärtiges Amt)
Ein VPN macht eine Iran-Reise also nicht sicher. Für mich ging es im Folgenden ausschließlich um die technische Frage, was noch funktioniert, wenn Internet vorhanden ist, aber wichtige Dienste nicht erreichbar sind.
Kurzfassung und Kontext
Worum es in diesem Beitrag im Kern geht
In der Praxis muss man zuerst unterscheiden, ob das Internet gefiltert oder tatsächlich vom globalen Netz getrennt ist .
Was dabei wichtig bleibt
- OONI dokumentiert seit Jahren Einschränkungen internationaler Plattformen und Umgehungswerkzeuge im Iran. Ende 2025 waren unter anderem Telegram, X, Facebook, YouTube und verschiedene VPN-Dienste von Blockierungen betroffen. ( OONI )
- Ein paar Dinge würde ich nicht mehr davon abhängig machen, dass irgendein VPN funktioniert.
- Offline-Karten für die Orte, an denen ich tatsächlich unterwegs sein werde.
„Internet gesperrt“ kann zwei völlig verschiedene Dinge bedeuten
Vor der Reise hatte ich es mir zu einfach vorgestellt.
Iran filtert Dienste, also installiert man einen VPN.
Fertig.
In der Praxis muss man zuerst unterscheiden, ob das Internet gefiltert oder tatsächlich vom globalen Netz getrennt ist.
OONI dokumentiert seit Jahren Einschränkungen internationaler Plattformen und Umgehungswerkzeuge im Iran. Ende 2025 waren unter anderem Telegram, X, Facebook, YouTube und verschiedene VPN-Dienste von Blockierungen betroffen. (OONI)
Das ist die Situation, in der ein VPN überhaupt interessant wird: Das Internet existiert, nur bestimmte Ziele oder Verbindungsmuster kommen nicht durch.
2026 zeigte sich aber auch die härtere Variante. Cloudflare registrierte ab Ende Februar eine nahezu vollständige Trennung des iranischen Internets vom globalen Netz. Die schrittweise Wiederherstellung begann erst Ende Mai, nach 88 Tagen. (Cloudflare Radar)
Bei einem solchen Blackout kann ein VPN keine internationale Verbindung erfinden, die physisch beziehungsweise netzseitig nicht mehr vorhanden ist.
Diese Grenze ist wichtig, weil sie die Reisevorbereitung komplett verändert.
Für einen Blackout brauche ich Offline-Vorsorge.
Für Filterung brauche ich einen funktionierenden Umgehungsweg.
Was ich deshalb schon vor der Einreise speichern würde
Ein paar Dinge würde ich nicht mehr davon abhängig machen, dass irgendein VPN funktioniert.
Hoteladresse.
Flug- und Buchungsdaten.
Wichtige Telefonnummern.
Dokumentkopien.
Offline-Karten für die Orte, an denen ich tatsächlich unterwegs sein werde.
Das klingt weniger spannend als ein VPN-Vergleich, löst aber das größere Problem: Wenn die internationale Verbindung komplett verschwindet, kann ich die Karte nicht nachträglich herunterladen.
Erst danach kommt die zweite Ebene.
Das Internet funktioniert noch.
Aber Telegram, ein ausländischer Dienst oder eine wichtige Webseite funktioniert nicht.
Genau für diesen Fall wollte ich einen VPN vorbereitet haben.

Warum mein großer VPN-Anbieter plötzlich wenig beeindruckend wirkte
Mein erster Anbieter war keine schlechte Wahl.
Große Marke. Viele Server. Lange Historie. Viele Bewertungen.
In einem normalen Hotelnetz hätte ich wahrscheinlich verbunden und nie weiter darüber nachgedacht.
Unter einem restriktiven Netz sah die Sache anders aus.
Die App versuchte eine Verbindung aufzubauen, scheiterte und bot mir danach vor allem mehr Auswahl an.
Deutschland.
Türkei.
Noch ein europäischer Server.
Ich wechselte einige Male.
Das Ergebnis blieb dasselbe.
Da wurde mir klar, dass ich nach dem falschen Vorteil gesucht hatte.
Mein Problem war nicht, welcher Server hinter dem Filter am nächsten liegt.
Mein Problem war, ob ich den Filter überhaupt überwinde, um diesen Server zu erreichen.
In dem Moment waren hundert zusätzliche Standorte weniger wert als eine einzige Verbindung, die tatsächlich zustande kam.
Die zweite App stellte die Verbindung her
OnlydogVPN↗ hatte ich bereits vor der Reise als Reserve installiert.
Das war rückblickend wichtiger als jede Serverzahl. Seiten und Dienste rund um Umgehungstechniken können selbst schwer erreichbar sein; erst im Iran nach einem Ersatz zu suchen, ist deshalb der schlechteste Zeitpunkt. (OONI)
Ich öffnete die kleinere App, wählte die passende Situation und startete die Verbindung.
Der Tunnel stand.
Ich ging zurück zu der Seite, an der ich vorher hängen geblieben war.
Sie lud.
Danach Telegram.
Die Nachrichten kamen.
Meine eigene ging raus.
Mehr brauchte ich in diesem Moment nicht.
Erst nachdem das funktioniert hatte, interessierte mich wieder, warum.
Die App setzt auf einen HTTP/3-basierten Transport und zusätzliche Verkehrsverschleierung. Die genauen internen Filterregeln des jeweils verwendeten iranischen Netzes konnte ich von außen nicht beobachten. Für meinen Test war der Unterschied trotzdem eindeutig: Die erste VPN-Verbindung kam nicht zustande, die zweite stellte einen nutzbaren Pfad her.
Damit hatte sich auch mein Vergleichskriterium verschoben.
Nicht Serverzahl.
Nicht Länderzahl.
Nicht theoretische Maximalgeschwindigkeit.
Erreichbarkeit unter Filterung.
Erst danach bemerkte ich, dass ich gar keinen normalen Account gebraucht hatte
Nachdem meine Nachrichten raus waren, fiel mir ein zweites Detail auf.
Für die grundlegende Nutzung hatte ich keinen klassischen E-Mail-und-Passwort-Account anlegen müssen.
Zu Hause hätte ich das kaum erwähnt.
Unterwegs im Iran sieht es anders aus.
Das Auswärtige Amt weist darauf hin, dass neben sozialen Netzwerken und Webseiten auch einzelne E-Mail-Dienste eingeschränkt sein können. (Auswärtiges Amt) Wenn eine VPN-App erst funktioniert, nachdem ich eine Bestätigungsmail aus einem gerade schlecht erreichbaren Dienst geöffnet habe, entsteht eine ziemlich unnötige Abhängigkeit.
Hier fiel dieser Schritt weg.
Ich konnte die App benutzen, ohne vorher noch einen zweiten Dienst zum Funktionieren bringen zu müssen.
Das war kein Grund, sie überhaupt zu installieren.
Aber nachdem die Verbindung bereits funktioniert hatte, war es ein guter Grund, sie auf dem Gerät zu behalten.
Eine zweite Option ist wichtiger als eine perfekte Vergleichstabelle
Die kleinere App hat weniger Serverstandorte, eine kürzere öffentliche Historie und weniger unabhängige Bewertungen als die größten VPN-Marken.
Unter normalen Reisebedingungen würde ich das stärker gewichten.
Im Iran verschiebt sich die Priorität.
Ein VPN kann heute funktionieren und morgen an einer neuen Filterregel hängen. Öffentliche Berichte aus dem Land beschreiben genau dieses praktische Problem: Nach Eingriffen ins internationale Netz können Verbindungen verschwinden, zurückkommen und weiterhin instabil bleiben. (Reddit)
Deshalb würde ich nicht mit einer einzigen technischen Möglichkeit einreisen.
Aber ich würde ebenso wenig zehn dubiose Gratis-VPNs installieren und hoffen, dass irgendeiner davon schon funktioniert.
Meine Vorbereitung wäre deutlich einfacher:
Wichtige Informationen offline speichern.
Eine etablierte Lösung als Reserve bereithalten.
Und zusätzlich eine App installieren, deren eigentliche Stärke darin liegt, auch in restriktiven Netzen einen nutzbaren Tunnel aufzubauen.
OnlydogVPN würde bei mir genau diesen Platz bekommen.
Nicht als zehnte App in einer Sammlung.
Sondern als vorbereitete zweite Tür.
Und wenn das WLAN verschwindet?
Später verlor das Hotel-WLAN für einen Moment seine Brauchbarkeit.
Ich wechselte auf Mobilfunk.
Die kleinere App stellte wieder einen nutzbaren Pfad her, und meine Verbindung kam zurück.
Das war für mich auf einer Reise wichtiger als eine weitere Seite voller Serverstandorte.
Wenn ein Netz schon kompliziert genug ist, möchte ich nicht zusätzlich meinen VPN verwalten. Ich möchte vom WLAN auf Mobilfunk wechseln und meine eigentliche Aufgabe fortsetzen.
Genau hier passte die auf schwache und wechselnde Verbindungen ausgelegte Wiederherstellung zu dem Problem, das ich vorher bereits erlebt hatte.
Telegram war wieder erreichbar.
Die benötigte Webseite ebenfalls.
Ich musste nicht bei null anfangen.
Der beste Iran-VPN löst nur das Problem, das noch lösbar ist
Die langen Abschaltungen von 2026 haben die Grenze jedes VPN deutlich gemacht.
Wenn der internationale Internetzugang praktisch verschwindet, hilft auch der beste Tunnel nicht. Dann sind Offline-Karten, gespeicherte Dokumente und vorab vorbereitete Informationen wichtiger. (Cloudflare Radar)
Sobald das globale Internet aber vorhanden und gefiltert ist, dreht sich die Entscheidung um.
Dann brauche ich keinen Anbieter, der auf seiner Webseite die meisten Länder aufzählt.
Ich brauche eine Verbindung, die unter genau diesen Bedingungen zustande kommt.
Deshalb würde ich für eine unvermeidbare Iran-Reise nicht erst nach der Landung nach dem „besten VPN“ suchen.
Ich würde die kleinere App vorher installieren – zusammen mit Offline-Karten, Dokumenten und einer zweiten Zugangsmöglichkeit.
Nicht weil irgendein VPN einen iranischen Blackout lösen kann.
Sondern weil ich für den viel häufigeren Moment vorbereitet sein möchte, in dem das Internet noch da ist, aber meine normale Verbindung bereits vor einer geschlossenen Tür steht.
Kurz beantwortet
Was steckt hinter „„Internet gesperrt“ kann zwei völlig verschiedene Dinge bedeuten“?
In der Praxis muss man zuerst unterscheiden, ob das Internet gefiltert oder tatsächlich vom globalen Netz getrennt ist .
Was bedeutet das für jemanden mit demselben Problem?
OONI dokumentiert seit Jahren Einschränkungen internationaler Plattformen und Umgehungswerkzeuge im Iran. Ende 2025 waren unter anderem Telegram, X, Facebook, YouTube und verschiedene VPN-Dienste von Blockierungen betroffen. ( OONI )
Was ich deshalb schon vor der Einreise speichern würde
Ein paar Dinge würde ich nicht mehr davon abhängig machen, dass irgendein VPN funktioniert.
Was sollte ich daraus für den nächsten Test mitnehmen?
Offline-Karten für die Orte, an denen ich tatsächlich unterwegs sein werde.
