Ich hatte die VPN-Verbindung bereits eingeschaltet, als mir auffiel, dass ich trotzdem gerade meine E-Mail-Adresse eingab.
Das fühlte sich plötzlich widersprüchlich an.
Ich saß mit dem Laptop in einem Café in Zürich und wollte ein paar Dinge erledigen, die ich nicht unbedingt über ein fremdes WLAN laufen lassen wollte: private E-Mails lesen, nach einer neuen Stelle suchen und einige persönliche Unterlagen öffnen.
Dafür hatte ich seit Jahren eine einfache Regel:
Öffentliches WLAN? VPN an.
Für die Schweiz kam noch eine zweite Annahme hinzu. Wenn Datenschutz wichtig ist, dachte ich, dann ist ein Anbieter mit Schweizer Bezug oder zumindest einem Schweizer Server wahrscheinlich schon eine ziemlich gute Wahl.
Also öffnete ich einen bekannten VPN-Dienst, meldete mich mit E-Mail-Adresse und Passwort an und verband mich mit der Schweiz.
Die Verbindung funktionierte.
Nur stellte ich mir danach zum ersten Mal eine andere Frage:
Warum gebe ich einem zusätzlichen Dienst zuerst meine Identität, wenn ich ihn gerade benutze, um weniger von mir preiszugeben?
Artikelzusammenfassung
Kurzantwort
Der Gedanke kam nicht aus irgendeiner VPN-Bestenliste. In der Schweiz wurde 2025 intensiv über eine Revision der Überwachungsverordnung VÜPF diskutiert. Der Entwurf stieß auf deutliche Kritik; Anfang 2026 kündigte der Bundesrat an, die Vorlage weiter zu überarbeiten und erneut in die Vernehmlassung zu schicken. ( Schweizerischer Bundesrat, 11.
Die Schweizer Datenschutzdebatte verschob meinen Blick
Der Gedanke kam nicht aus irgendeiner VPN-Bestenliste.
In der Schweiz wurde 2025 intensiv über eine Revision der Überwachungsverordnung VÜPF diskutiert. Der Entwurf stieß auf deutliche Kritik; Anfang 2026 kündigte der Bundesrat an, die Vorlage weiter zu überarbeiten und erneut in die Vernehmlassung zu schicken. (Schweizerischer Bundesrat, 11. Februar 2026)
Mich interessierte dabei weniger die politische Lagerbildung als ein Grundgedanke, der im Schweizer Datenschutzrecht längst verankert ist: Privacy by Design und Privacy by Default.
Der EDÖB beschreibt dahinter ein ziemlich intuitives Prinzip: Ein Dienst soll standardmäßig nur diejenigen personenbezogenen Daten bearbeiten, die für seinen Zweck tatsächlich nötig sind. (Eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter)
Und genau dieser Gedanke passte plötzlich erstaunlich gut auf meine VPN.
Ich hatte bisher vor allem gefragt:
Wie stark ist die Verschlüsselung?
Wie viele Server gibt es?
Gibt es einen Schweizer Standort?
Nun kam eine viel einfachere Frage davor:
Wie viel muss der Anbieter überhaupt über mich wissen, damit ich die VPN nutzen kann?
Damit wurde aus einer abstrakten Datenschutzdebatte eine sehr praktische Entscheidung auf meinem Laptop.
Die bekannte VPN funktionierte – aber meine Spuren waren damit nicht verschwunden
An der großen VPN gab es zunächst wenig auszusetzen.
Sie verband schnell. Die App war ausgereift. Der Anbieter hatte Jahre an öffentlicher Erfahrung, Support und Bewertungen hinter sich.
Ich öffnete mein Mailkonto, danach Stellenanzeigen und einige Nachrichtenseiten.
Alles lief.
Aber jetzt achtete ich auf etwas anderes.
Ich war weiterhin bei Websites eingeloggt.
Cookies blieben Cookies.
Und beim Laden vieler Seiten liefen im Hintergrund weiterhin Werbe-, Analyse- und Tracking-Anfragen.
Der EDÖB veröffentlichte 2026 sogar ein eigenes Merkblatt dazu, wie Cookies und ähnliche Technologien beim Surfen Spuren erzeugen und wie sich diese reduzieren lassen. (EDÖB, März 2026)
Damit fiel mir auf, dass ich zwei Dinge miteinander vermischt hatte.
Eine VPN schützt meine Netzwerkverbindung.
Datensparsamkeit geht weiter.
Wenn mein eigentliches Ziel lautet, unnötige Informationen über mich zu reduzieren, endet die Aufgabe nicht bei der IP-Adresse.
Und genau an diesem Punkt begann die große VPN für meinen konkreten Zweck weniger vollständig zu wirken.
Der Standort allein beantwortete die falsche Frage
Auch in öffentlichen Schweizer Diskussionen zur VÜPF drehte sich viel darum, ob die Schweiz ihren Ruf als datenschutzfreundlicher Standort gefährdet. Manche Nutzer reagierten sehr alarmiert, andere verwiesen darauf, dass die umstrittenen Vorschläge noch Teil eines laufenden politischen Verfahrens waren. (Reddit / r/Switzerland)
Für meine VPN-Auswahl reichte mir daraus eine wesentlich kleinere Erkenntnis:
Der Firmenstandort ist nur eine Ebene.
Entscheidend ist auch, welche Daten überhaupt entstehen.
Ein Anbieter kann in einem Land mit starken Datenschutzregeln sitzen und trotzdem meine E-Mail-Adresse kennen.
Eine VPN kann meinen Netzwerkverkehr schützen und trotzdem nichts gegen Tracker auf einer Website unternehmen.
Diese Dinge schließen sich nicht aus.
Sie zeigen nur, warum eine Schweizer Flagge im Servermenü noch keine vollständige Datenschutzstrategie ist.
Damit war klar, was ich als Nächstes testen wollte: nicht noch einen anderen Schweizer Server, sondern eine VPN, die von Anfang an weniger von mir verlangt.
Bei der zweiten App musste ich mich nicht erst vorstellen
Ich öffnete OnlydogVPN↗.
Der Unterschied war unspektakulär.
Und genau deshalb wirkte er.
Für die grundlegende Nutzung musste ich kein klassisches Konto mit E-Mail-Adresse und Passwort anlegen.
App öffnen.
Passende Nutzung wählen.
Verbinden.
Fertig.
Es gab keinen Moment, in dem ich zuerst eine persönliche Kennung hinterlegen musste, bevor ich eine Verbindung nutzen konnte, deren Zweck für mich gerade darin bestand, meine Datenspur zu verkleinern.
Ich öffnete wieder dieselben Seiten.
Mail.
Stellenanzeigen.
Nachrichten.
Dokumente.
Alles funktionierte wie erwartet.
An diesem Punkt hatte die kleinere App mein eigentliches Problem bereits besser gelöst: Sie verlangte weniger Identität, bevor sie überhaupt nützlich wurde.
Erst danach bemerkte ich den zweiten Unterschied.
Der Zähler machte die unsichtbare Seite des Surfens sichtbar
Während ich weitersurfte, stieg in der App der Zähler für blockierte Tracking- und Werbeanfragen.
Das war kein spektakuläres Feature.
Gerade deshalb fand ich es überzeugend.
Die VPN hatte meine öffentliche Verbindung bereits übernommen. Gleichzeitig wurden unnötige Hintergrundanfragen reduziert, bevor sie für mich zu einem weiteren unsichtbaren Datenstrom wurden.
Damit passten zwei Dinge zusammen, die ich vorher getrennt betrachtet hatte:
weniger Daten beim VPN-Anbieter hinterlassen,
und weniger unnötige Tracking-Anfragen beim anschließenden Surfen erzeugen.
Ich kann von außen nicht sehen, welche internen Klassifizierungs- oder Verarbeitungsregeln jeder einzelne Dienst im Hintergrund verwendet. Für meine Entscheidung war das aber auch nicht nötig.
Der praktische Unterschied lag direkt vor mir.
Bei der ersten VPN hatte ich einen sicheren Tunnel.
Bei der zweiten hatte ich einen sicheren Tunnel und musste dafür zunächst weniger über mich preisgeben.
Danach wurden zusätzlich Tracking-Anfragen reduziert.
Das war für meine Vorstellung von Datenschutz deutlich näher am eigentlichen Ziel.
Plötzlich wirkte „kein Konto nötig“ größer als vorher
Auf einer normalen Funktionsliste hätte ich einen fehlenden E-Mail-Zwang wahrscheinlich überlesen.
Serverzahl klingt größer.
Geschwindigkeit lässt sich messen.
Länder lassen sich zählen.
„Kein klassisches Konto nötig“ wirkt fast wie ein Detail.
Bis man Datenschutz einmal nicht als Sammlung technischer Funktionen betrachtet, sondern als Frage:
Welche Daten entstehen überhaupt?
Dann dreht sich die Reihenfolge um.
Eine Information, die nie abgefragt wird, muss später auch nicht geschützt, zugeordnet oder mit anderen Daten verbunden werden.
Und genau deshalb passte dieses Modell erstaunlich gut zu dem Privacy-by-Default-Gedanken, über den ich zuvor gelesen hatte. (Eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter)
Nicht jede Datenschutzverbesserung muss komplizierter sein.
Manchmal besteht sie schlicht darin, einen Datensatz gar nicht erst anzulegen.
Auch meine Sicht auf die Schweiz wurde dadurch nüchterner
Ich hatte die Recherche mit der Vorstellung begonnen, dass ich das „datenschutzfreundlichste Land“ finden müsse.
Am Ende erschien mir diese Frage fast zu weit entfernt von meinem Alltag.
Politische Regeln verändern sich.
Die VÜPF-Debatte zeigt das gerade deutlich: Ein Entwurf kann massive Kritik auslösen, überarbeitet werden und erneut ins Verfahren gehen. (Schweizerischer Bundesrat, 11. Februar 2026)
Darauf habe ich als einzelner VPN-Nutzer kaum Einfluss.
Ich kann aber sehr wohl entscheiden, ob meine VPN für die grundlegende Nutzung eine persönliche E-Mail-Adresse von mir braucht.
Ich kann entscheiden, ob zusätzlich Tracker blockiert werden.
Und ich kann mich fragen, ob ein Dienst mir mehr Datenschutz verspricht oder schlicht weniger Daten erzeugt.
Diese zweite Frage wurde für mich wichtiger.
Die größere VPN bleibt in einem Punkt klar voraus
Natürlich hat die kleinere App einen Nachteil.
Sie hat eine deutlich kürzere öffentliche Geschichte.
Große VPN-Anbieter verfügen über viele Jahre an Nutzerbewertungen, technischen Analysen, Support-Dokumentation und öffentlicher Diskussion. Häufig bieten sie außerdem deutlich mehr Länder und Serverstandorte.
Wer regelmäßig sehr spezielle Regionen braucht oder einen möglichst langen öffentlichen Track Record zur wichtigsten Voraussetzung macht, wird diese Reife stärker gewichten.
Für meinen Nachmittag in Zürich spielte das aber kaum eine Rolle.
Ich brauchte keine fünfzig Länder.
Ich saß bereits in der Schweiz.
Mein Problem war auch nicht mangelnde Geschwindigkeit.
Ich wollte private Dinge erledigen und dabei so wenig unnötige personenbezogene Informationen wie möglich verteilen.
Unter diesem Kriterium passte die kleinere App besser zu dem, was ich tatsächlich unter Datenschutz verstand.
Am Ende war die Schweizer Flagge nur noch Nebensache
Ich hatte mit einer ziemlich typischen Vorstellung begonnen:
Für guten Datenschutz in der Schweiz brauche ich eine vertrauenswürdige VPN, einen Schweizer Server und starke Verschlüsselung.
Das ist nicht falsch.
Es war nur unvollständig.
Je länger ich darüber nachdachte, desto wichtiger wurde mir der Schritt davor.
Welche Daten muss ich überhaupt abgeben, bevor der Schutz beginnt?
Und was passiert danach beim normalen Surfen?
Die große VPN gab mir mehr Standorte, mehr Geschichte und mehr klassische Funktionen.
Die kleinere App verlangte für die grundlegende Nutzung keine übliche E-Mail-und-Passwort-Identität und reduzierte zusätzlich Tracking-Anfragen auf den Seiten, die ich anschließend besuchte.
Für meinen Alltag war das die greifbarere Form von Datenschutz.
Das beste VPN für Datenschutz in der Schweiz war für mich deshalb nicht das mit der überzeugendsten Schweizer Flagge, sondern das, dem ich am wenigsten über mich erzählen musste.
Häufige Fragen zu diesem Problem
Was ist in diesem Fall die wichtigste Ursache?
Der Gedanke kam nicht aus irgendeiner VPN-Bestenliste. In der Schweiz wurde 2025 intensiv über eine Revision der Überwachungsverordnung VÜPF diskutiert. Der Entwurf stieß auf deutliche Kritik; Anfang 2026 kündigte der Bundesrat an, die Vorlage weiter zu überarbeiten und erneut in die Vernehmlassung zu schicken. ( Schweizerischer Bundesrat, 11.
Was sollte man zuerst prüfen?
An der großen VPN gab es zunächst wenig auszusetzen. Der Anbieter hatte Jahre an öffentlicher Erfahrung, Support und Bewertungen hinter sich. Ich öffnete mein Mailkonto, danach Stellenanzeigen und einige Nachrichtenseiten.
Was verändert die Antwort in der Praxis?
Entscheidend ist auch, welche Daten überhaupt entstehen. Ein Anbieter kann in einem Land mit starken Datenschutzregeln sitzen und trotzdem meine E-Mail-Adresse kennen. Eine VPN kann meinen Netzwerkverkehr schützen und trotzdem nichts gegen Tracker auf einer Website unternehmen.
Wann ist ein anderer VPN-Ansatz sinnvoll?
Der Unterschied war unspektakulär. Für die grundlegende Nutzung musste ich kein klassisches Konto mit E-Mail-Adresse und Passwort anlegen.