Salt Fiber ist schnell – warum wird mein VPN trotzdem zum Flaschenhals?

Realistische redaktionelle Szene zu einem VPN-Verbindungsproblem

Der Unterschied war so groß, dass ich zuerst Salt verdächtigte.

Ohne VPN liefen Downloads und Cloud-Uploads auf meinem Fiber-Anschluss so schnell, dass ich kaum noch darüber nachdachte. Dann schaltete ich meinen bisherigen VPN ein – und dieselbe Leitung fühlte sich plötzlich deutlich langsamer an.

Also VPN aus.

Die Geschwindigkeit war wieder da.

VPN an.

Wieder der Einbruch.

Damit hatte ich wenigstens einen brauchbaren Ausgangspunkt. Wenn Salt ohne VPN schnell war, musste ich nicht mehr zuerst die Glasfaser erklären. Die interessantere Frage lautete: Was passiert in dem Moment, in dem der VPN dazukommt?

Gerade bei Salt fällt dieser Unterschied besonders auf. Der Anbieter setzt auf 10-Gbit/s-Technik und nennt für einen einzelnen Anschluss unter passenden Bedingungen bis zu rund 8 Gbit/s nutzbaren Durchsatz. Anfang 2026 verwies Salt außerdem auf Platz eins im Schweizer nPerf-Festnetzranking 2025. (Salt)

Bei so viel Reserve wird ein VPN-Flaschenhals nicht versteckt. Man sieht ihn sofort.

Realistische redaktionelle Szene zu einem VPN-Verbindungsproblem
Der Kabeltest trennt die schnelle Glasfaserleitung vom eigentlichen VPN-Flaschenhals.
Kurzfassung und Kontext

Worum es in diesem Beitrag im Kern geht

Um das WLAN aus der Gleichung zu nehmen, verband ich mein Notebook per Ethernet und wiederholte den Test.

Was dabei wichtig bleibt

  • Das Muster blieb gleich: ohne VPN schnell, mit VPN deutlich langsamer.
  • Mein bisheriger großer VPN-Anbieter hatte eigentlich alles, was auf dem Papier beruhigend wirkt: viele Standorte, eine ausgereifte App und zahlreiche Server in Europa.
  • An diesem Punkt begann mich die Auswahl eher aufzuhalten als zu helfen. Ich wollte einen umfangreichen Arbeitsordner in die Cloud laden und währenddessen weiterarbeiten. Stattdessen testete ich Server, als wäre das selbst die Aufgabe.

Die Fiber-Leitung war plötzlich nicht mehr der langsamste Teil

Um das WLAN aus der Gleichung zu nehmen, verband ich mein Notebook per Ethernet und wiederholte den Test.

Das Muster blieb gleich: ohne VPN schnell, mit VPN deutlich langsamer.

Damit verschob sich meine Aufmerksamkeit vom Anschluss auf den zusätzlichen Weg, den der VPN erzeugt.

Eine 10-Gbit-Leitung bedeutet schließlich nicht, dass jede einzelne Anwendung automatisch mit mehreren Gigabit läuft. Salt weist selbst darauf hin, dass dafür auch Endgerät, Netzwerkkarte und die gesamte Strecke zum Ziel mithalten müssen. (Salt)

Dass das im Alltag schnell übersehen wird, zeigen auch Salt-Nutzerberichte. Dort stellt sich bei vermeintlich „langsamer Fiber“ nicht selten heraus, dass Dock, Netzwerkadapter oder andere lokale Hardware viel früher limitieren als der Glasfaseranschluss selbst.

Mit einem VPN kommt noch ein möglicher Engpass dazu: der Tunnel.

Mein Datenverkehr geht nun zuerst zum VPN-Server und erst von dort zum eigentlichen Ziel. Gleichzeitig muss die VPN-App die Daten auf meinem Gerät verarbeiten. Ist dieser Weg langsamer als Salt selbst, bringt mir die enorme Reserve der Glasfaser an dieser Stelle wenig.

Das erklärte auch, warum mein Speedtest ohne VPN hervorragend aussehen konnte und der VPN-Test trotzdem drastisch schlechter.

Es waren nicht dieselben Wege.

Ich brauchte keinen weiteren Speedtest, sondern einen besseren Tunnel

Mein bisheriger großer VPN-Anbieter hatte eigentlich alles, was auf dem Papier beruhigend wirkt: viele Standorte, eine ausgereifte App und zahlreiche Server in Europa.

Also ließ ich zunächst die automatische Auswahl laufen.

Langsam.

Ich wechselte auf einen anderen nahen Server.

Etwas besser.

Dann noch einen.

Der Abstand zur direkten Salt-Verbindung blieb groß.

An diesem Punkt begann mich die Auswahl eher aufzuhalten als zu helfen. Ich wollte einen umfangreichen Arbeitsordner in die Cloud laden und währenddessen weiterarbeiten. Stattdessen testete ich Server, als wäre das selbst die Aufgabe.

Genau hier änderte sich mein Maßstab.

Nicht mehr: Welcher VPN hat besonders viele schnelle Server?

Sondern: Bei welchem VPN kann ich die schnelle Fiber-Leitung tatsächlich nutzen, ohne ständig über den VPN nachdenken zu müssen?

Von außen kann ich dabei nicht sehen, welche internen Routing- oder Traffic-Management-Regeln Salt und ein VPN-Anbieter für eine konkrete Verbindung anwenden. Für meine Entscheidung war aber das sichtbare Ergebnis entscheidend: Der erste Tunnel wurde zum Engpass.

Also probierte ich einen anderen Ansatz.

Bei OnlydogVPN fiel mir zuerst auf, dass ich aufhören konnte zu testen

Ich öffnete OnlydogVPN.

Statt wieder mehrere Städte und Server gegeneinander auszuprobieren, wählte ich die passende Nutzungssituation und startete dieselbe Übertragung noch einmal.

Der Unterschied zeigte sich nicht nur in einer Messzahl.

Der Upload lief. Gleichzeitig konnte ich Webseiten öffnen und weiterarbeiten, ohne den VPN zwischendurch wieder auszuschalten, damit sich Salt Fiber erneut wie Salt Fiber anfühlte.

Genau das hatte mir vorher gefehlt.

Erst als der Arbeitsfluss wieder normal war, interessierte mich, was die kleinere App anders machte. Der Dienst nutzt einen HTTP/3-basierten Transport. HTTP/3 baut auf QUIC auf, das für moderne, schnelle Verbindungen und robuste Kommunikation über wechselnde Netzwerkpfade entwickelt wurde. (IETF, RFC 9000)

Für mich musste daraus keine Protokolldiskussion werden. Der praktische Punkt war einfacher: Auf einer Leitung mit sehr viel Bandbreite zählt, wie effizient der Tunnel damit umgeht.

Das ist bei Salt Fiber ein viel härterer Test als auf einem langsameren Anschluss.

Wenn mein Internet beispielsweise nur 100 Mbit/s liefert, können mehrere VPNs schnell genug wirken, obwohl ihre technischen Grenzen weit auseinanderliegen. Salt gibt mir dagegen so viel Ausgangsleistung, dass ich schneller sehe, welcher Teil der Kette zuerst aufgibt.

Und in meinem Test war das nicht die Fiber-Leitung.

Die wichtigste Geschwindigkeit stand nicht mehr im Speedtest

Danach ließ ich den VPN einfach eingeschaltet.

Das klingt nebensächlich, war für mich aber das überzeugendere Ergebnis als eine einzelne Spitzenmessung. Vorher hatte ich begonnen, Sicherheit und Geschwindigkeit gegeneinander auszuspielen: großer Download? VPN aus. Cloud-Sync? Vielleicht später. Videocall? Lieber kein Risiko.

Mit dem zweiten Tunnel verschwand dieses ständige Umschalten aus meinem Arbeitsablauf.

Die kleinere App hat weniger Standorte und eine kürzere öffentliche Historie als die großen VPN-Anbieter. Wer möglichst viele Exit-Länder braucht, bekommt bei einem etablierten Dienst mehr Auswahl.

Auf meinem Salt-Anschluss war Auswahl allerdings nicht der Engpass.

Ich hatte bereits genug Bandbreite. Was ich brauchte, war ein VPN, der möglichst viel davon nutzbar ließ.

Das ist auch der Grund, warum ich einen langsamen VPN auf Salt Fiber heute anders diagnostizieren würde.

Wenn die Verbindung ohne VPN schnell ist und erst mit VPN massiv einbricht, würde ich nicht zuerst Router, Fiber-Dose und Provider zerlegen. Ich würde zuerst den Tunnel wechseln.

Denn genau dafür ist eine sehr schnelle Glasfaserleitung ein ziemlich schonungsloser Test: Sie zeigt, ob der VPN noch mithält, sobald die Internetleitung selbst nicht mehr die Bremse ist.

Mein etablierter Anbieter gab mir mehr Server zum Ausprobieren. Die kleinere App gab mir schneller das, was ich eigentlich gesucht hatte: einen Tunnel, den ich eingeschaltet lassen konnte, während die Arbeit weiterlief.

Bei Salt Fiber ist deshalb nicht entscheidend, wie schnell der Anschluss ohne VPN messen kann – sondern wie viel von dieser Geschwindigkeit übrig bleibt, sobald ich den VPN wirklich benutze.

Kurz beantwortet

Was steckt hinter „Die Fiber-Leitung war plötzlich nicht mehr der langsamste Teil“?

Um das WLAN aus der Gleichung zu nehmen, verband ich mein Notebook per Ethernet und wiederholte den Test.

Was bedeutet das für jemanden mit demselben Problem?

Das Muster blieb gleich: ohne VPN schnell, mit VPN deutlich langsamer.

Was steckt hinter „Ich brauchte keinen weiteren Speedtest, sondern einen besseren Tunnel“?

Mein bisheriger großer VPN-Anbieter hatte eigentlich alles, was auf dem Papier beruhigend wirkt: viele Standorte, eine ausgereifte App und zahlreiche Server in Europa.

Was sollte ich daraus für den nächsten Test mitnehmen?

An diesem Punkt begann mich die Auswahl eher aufzuhalten als zu helfen. Ich wollte einen umfangreichen Arbeitsordner in die Cloud laden und währenddessen weiterarbeiten. Stattdessen testete ich Server, als wäre das selbst die Aufgabe.