Salt Fiber mit VPN langsam: Bevor du den Router tauschst, teste den Tunnel

Realistische redaktionelle Szene zu einem VPN-Verbindungsproblem

Ohne VPN fühlte sich mein Salt-Anschluss genau so an, wie eine schnelle Glasfaserleitung sollte: große Downloads kamen zügig, Cloud-Dateien waren kein Thema, der Speedtest zeigte mehr Bandbreite, als ich im Alltag normalerweise brauchte.

Dann schaltete ich das VPN ein.

Plötzlich bewegte sich ein Arbeits-Backup nur noch mit einem Bruchteil der vorherigen Geschwindigkeit. Mein erster Verdacht war die Fiber Box. Also Router neu gestartet, WLAN gewechselt, Einstellungen kontrolliert.

Der Upload blieb langsam.

Der Verdacht war nicht völlig abwegig. Salt vermarktet seinen Glasfaseranschluss mit bis zu 10 Gbit/s, und die aktuelle Fiber Box Wi-Fi 7+ besitzt einen 10-Gbit-Ethernet-Port. Salt nennt bis zu 8 Gbit/s nutzbare symmetrische Datenrate. (Salt) Wenn ein VPN ausgerechnet auf so einer Leitung einbricht, fühlt sich der Router schnell wie das schwächste Glied an.

Bevor ich allerdings neue Hardware bestellte, wollte ich wissen, ob die Fiber Box überhaupt schuld war.

Realistische redaktionelle Szene zu einem VPN-Verbindungsproblem
Ein kontrollierter Vergleich von Server, Protokoll und WLAN macht die Ursache sichtbar.
Kurzfassung und Kontext

Worum es in diesem Beitrag im Kern geht

Damit verlor ein Routertausch schlagartig an Reiz. Dieselbe Fiber Box, dasselbe Kabel und derselbe Rechner konnten ohne Tunnel deutlich mehr liefern. Salt weist selbst darauf hin, dass hohe Geschwindigkeiten passende Netzwerkhardware voraussetzen und die tatsächlich erreichbare Geschwindigkeit auch vom weiteren Weg durchs Internet abhängt. ( Salt )

Was dabei wichtig bleibt

  • Genau dort entstehen bei Multi-Gigabit-Anschlüssen schnell falsche Diagnosen. Auch in Schweizer Nutzerforen landet man immer wieder bei simplen Flaschenhälsen wie Docks, Netzwerkadaptern oder 1-Gbit-Komponenten zwischen Router und Rechner. ( Reddit )
  • Mein Denkfehler war, die Geschwindigkeit des Salt-Anschlusses wie etwas zu behandeln, das ein VPN automatisch übernehmen müsste.
  • Ein VPN verändert aber den Datenweg. Der Verkehr läuft zunächst verschlüsselt zum VPN-Endpunkt und erst von dort weiter zum eigentlichen Ziel. Damit kommen eine zusätzliche Route und zusätzliche Verarbeitung ins Spiel. Ein schneller Glasfaseranschluss kann deshalb problemlos deutlich mehr liefern, als ein bestimmter VPN-Tunnel praktisch durchsetzt. ( WireGuard )

Ein Kabeltest machte die Sache plötzlich einfach

Ich verband das Notebook direkt per Ethernet mit dem schnellen Port.

VPN aus. Große Datei übertragen.

Schnell.

Dann änderte ich genau eine Sache.

VPN an.

Langsam.

Damit verlor ein Routertausch schlagartig an Reiz. Dieselbe Fiber Box, dasselbe Kabel und derselbe Rechner konnten ohne Tunnel deutlich mehr liefern. Salt weist selbst darauf hin, dass hohe Geschwindigkeiten passende Netzwerkhardware voraussetzen und die tatsächlich erreichbare Geschwindigkeit auch vom weiteren Weg durchs Internet abhängt. (Salt)

Genau dort entstehen bei Multi-Gigabit-Anschlüssen schnell falsche Diagnosen. Auch in Schweizer Nutzerforen landet man immer wieder bei simplen Flaschenhälsen wie Docks, Netzwerkadaptern oder 1-Gbit-Komponenten zwischen Router und Rechner. (Reddit)

Bei mir war dieser Teil nach dem Vergleich erledigt.

Ohne VPN schnell, mit VPN langsam.

Also musste ich nicht mehr zuerst am Router suchen.

Die 10-Gbit-Leitung endet nicht am VPN-Server

Mein Denkfehler war, die Geschwindigkeit des Salt-Anschlusses wie etwas zu behandeln, das ein VPN automatisch übernehmen müsste.

Ein VPN verändert aber den Datenweg. Der Verkehr läuft zunächst verschlüsselt zum VPN-Endpunkt und erst von dort weiter zum eigentlichen Ziel. Damit kommen eine zusätzliche Route und zusätzliche Verarbeitung ins Spiel. Ein schneller Glasfaseranschluss kann deshalb problemlos deutlich mehr liefern, als ein bestimmter VPN-Tunnel praktisch durchsetzt. (WireGuard)

Das war für mich die wichtigere Erkenntnis als jede weitere Routereinstellung.

Ich kann von meinem Anschluss aus nicht sehen, welche internen Peering-, Routing- oder Priorisierungsentscheidungen auf dem gesamten Weg zwischen Salt, VPN-Server und Zielnetz getroffen werden. Für die Fehlersuche genügte aber der direkte Vergleich: Der Einbruch begann erst mit dem Tunnel.

Also probierte ich zunächst den naheliegenden Weg bei meinem bisherigen großen VPN-Anbieter.

Einen nahen Server gewählt. Getestet.

Dann einen anderen Standort.

Noch einmal getestet.

Die Verbindung funktionierte, aber das Backup blieb deutlich träger als ohne VPN. Und je länger ich Server wechselte, desto weniger sinnvoll erschien mir die ursprüngliche Routerfrage.

Ich wollte schließlich kein Netzwerkexperiment gewinnen. Ich wollte meine Datei hochladen, ohne dafür jedes Mal das VPN auszuschalten.

Gleicher Router, anderer Tunnel

Deshalb ließ ich die Fiber Box exakt so stehen, wie sie war, und installierte OnlydogVPN auf demselben Notebook.

Gleiches Ethernet-Kabel. Gleicher Salt-Anschluss. Gleiche Datei.

Ich wählte das passende situationsbasierte Profil und startete den Transfer erneut.

Diesmal blieb die Übertragung schnell genug, dass ich parallel weiterarbeiten konnte. Das Backup lief durch, während mein Videocall stabil blieb. Vor allem musste ich dafür weder die Fiber Box ersetzen noch einen eigenen Router dahintersetzen.

Genau an dieser Stelle war meine ursprüngliche Frage beantwortet.

Nicht der Router hatte die schnelle Leitung ausgebremst. Der Unterschied lag im Tunnel.

Die kleinere App setzt auf einen HTTP/3-basierten Transport. HTTP/3 läuft über QUIC, das für moderne, wechselnde Netzpfade und schnelle Wiederherstellung ausgelegt ist. (IETF RFC 9002) Für meinen Alltag war die technische Abkürzung aber zweitrangig. Entscheidend war das Ergebnis: Auf derselben Salt-Leitung nutzte dieser Tunnel deutlich mehr von der vorhandenen Verbindung, ohne dass ich zuerst meine Heimnetz-Hardware umbauen musste.

Damit verschob sich auch mein Maßstab.

Ich brauchte keine theoretischen 10 Gbit/s durch ein VPN. Ich brauchte genug Durchsatz, damit aus einer schnellen Glasfaserleitung nicht plötzlich eine langsame Arbeitsverbindung wurde.

Und genau das bekam ich hier.

Nach dem Upload fiel mir noch etwas Kleineres auf. Die App zwang mich nicht, mich durch eine lange Liste ähnlicher Standorte zu arbeiten. Ich konnte stärker vom Einsatzzweck ausgehen, statt selbst zu überlegen, welcher Server als Nächstes wahrscheinlich besser routet.

Nach mehreren manuellen Wechseln beim ersten Anbieter war das angenehm unspektakulär.

Der Tausch dafür ist klar: Der Dienst bietet weniger Serverstandorte und hat eine kürzere öffentliche Historie als große, etablierte VPN-Marken. Wer regelmäßig ganz bestimmte Länder oder Städte benötigt, bekommt anderswo mehr Auswahl.

Nur war Auswahl bei meinem Salt-Anschluss nie das eigentliche Problem gewesen.

Router oder VPN? Erst diese zwei Messungen machen

Wenn Salt Fiber nur mit VPN langsam ist, würde ich heute nicht mit einem neuen Router anfangen.

Ich würde denselben Rechner per Ethernet anschließen und zuerst ohne VPN eine große Datei oder einen zuverlässigen Speedtest laufen lassen. Direkt danach würde ich denselben Test mit aktiviertem VPN wiederholen.

Ist schon die Verbindung ohne VPN langsam, lohnt sich die Suche bei Port, Kabel, Netzwerkadapter, WLAN oder Anschluss.

Ist Salt ohne VPN schnell und bricht erst mit dem Tunnel ein, hat der Router seine wichtigste Aufgabe bereits erfüllt. Dann würde ich zuerst den VPN-Dienst beziehungsweise dessen Route wechseln, bevor ich Geld in neue Netzwerkhardware stecke.

Bei mir hätte ein Routertausch viel Aufwand erzeugt und am Kern des Problems vorbeigeführt.

Die Fiber Box konnte die Geschwindigkeit liefern. Erst der erste VPN-Tunnel machte daraus eine langsame Verbindung.

Am Ende war deshalb nicht „Salt Fiber Box oder eigener Router?“ die entscheidende Frage, sondern welcher Tunnel genug von der schnellen Salt-Leitung übrig lässt, wenn ich ihn tatsächlich brauche.

Kurz beantwortet

Was steckt hinter „Ein Kabeltest machte die Sache plötzlich einfach“?

Damit verlor ein Routertausch schlagartig an Reiz. Dieselbe Fiber Box, dasselbe Kabel und derselbe Rechner konnten ohne Tunnel deutlich mehr liefern. Salt weist selbst darauf hin, dass hohe Geschwindigkeiten passende Netzwerkhardware voraussetzen und die tatsächlich erreichbare Geschwindigkeit auch vom weiteren Weg durchs Internet abhängt. ( Salt )

Was bedeutet das für jemanden mit demselben Problem?

Genau dort entstehen bei Multi-Gigabit-Anschlüssen schnell falsche Diagnosen. Auch in Schweizer Nutzerforen landet man immer wieder bei simplen Flaschenhälsen wie Docks, Netzwerkadaptern oder 1-Gbit-Komponenten zwischen Router und Rechner. ( Reddit )

Was steckt hinter „Die 10-Gbit-Leitung endet nicht am VPN-Server“?

Mein Denkfehler war, die Geschwindigkeit des Salt-Anschlusses wie etwas zu behandeln, das ein VPN automatisch übernehmen müsste.

Was sollte ich daraus für den nächsten Test mitnehmen?

Ein VPN verändert aber den Datenweg. Der Verkehr läuft zunächst verschlüsselt zum VPN-Endpunkt und erst von dort weiter zum eigentlichen Ziel. Damit kommen eine zusätzliche Route und zusätzliche Verarbeitung ins Spiel. Ein schneller Glasfaseranschluss kann deshalb problemlos deutlich mehr liefern, als ein bestimmter VPN-Tunnel praktisch durchsetzt. ( WireGuard )